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Neues vom Sagenhändler (Lore Broker): Draft für 2

von Jashin, 23.05.2012 - 02:11 – Regeln · Strategie · Spielbericht · Einzel · Spielvarianten

Frage: Was ist der beste Verwendungszweck für sechs Magicbooster?

Antwort: Winchester Draft.


Ende des Artikels.




...




Huh?

Du willst wissen, was denn bitte Winchester-Draft ist?
Na gut, dann versuche ich mich mal an einer verständlichen Erklärung.


Draft für 2
Winchester Draft ist ein Limited-Draft-Format für genau zwei Spieler. Also quasi die geringstmögliche Anzahl. Es ist ideal, wenn man gerade keine größere Gruppe zusammenbekommt und auch sonst eine Erfahrung, die sich erheblich vom klassischen Draften unterscheidet.

Was benötigt man?
Sechs Booster und ausreichend Standardländer.
Die Booster müssen nicht zwingend aus einem Block stammen, allerdings macht es die Sache einfacher, wenn die Karten miteinander synergieren, weil bei nur 84 Karten (90 minus sechs Standardländer) sowieso schon keine besonders starken Decks entstehen werden.
Zudem ist es gut, wenn die Booster das Bauen mehrfarbiger Decks begünstigen, da die fünf Magicfarben auf zwei Spieler aufgeteilt werden wollen, was pro Spieler ein zweifarbiges Deck mit Splash bedeutet.
Günstige Editionen sind somit beide Mirrodinblöcke, Ravnica und Alara und mit Abstrichen Onslaught (wegen der farblosen Morphkreaturen in einer eher langsamen Umgebung). Weniger gut geeignet sind Editionen mit starker Tribalkomponente (z.B. Lorwyn und mit Abstrichen wiederum Onslaught - ist halt ein zweischneidiges Schwert...), da man nicht damit rechnen kann, genügend Karten eines Stammes zusammen zu bekommen oder Blöcke mit nur wenigen guten Commons (so ziemlich alle ganz alten Editionen), da die Decks sonst wirklich richtig schlecht werden. (Wenn man natürlich masochistisch veranlagt ist, kann man auch Triple-Homelands draften - jedem das Seine...) Auch Hauptsets sind eher zu vermeiden, da dort das Manafixing und die generelle Kartenqualtität oft unterdurchschnittlich sind.

Wie funktionierts?
Zunächst mischen beide Spieler die Inhalte dreier Booster zu je einem verdeckten Stapel zusammen, ohne dass sie sich dabei die Karten anschauen. Token und Standardländer werden vorher entfernt. Es wird (egal wie) entschieden, wer beginnt.
Anschließend legt jeder der beiden die obersten zwei Karten seines Stapels offen vor sich hin, so dass gleichzeitig vier Karten sichtbar sind. Der Spieler, der beginnt, draftet nun einen der vier offenen Stapel (also zu diesem Zeitpunkt eine Karte). Dann wird, bevor sein Gegner am Zug ist, jeder der vier offenen Stapel um eine weitere Karte ergänzt (jeder der beiden Spieler legt auf "seine" zwei offenen Stapel je eine Karte vom seinem verdeckten Stapel). Jetzt gibt es also drei offene Stapel mit je zwei Karten und einen mit nur einer Karte (die andere wurde ja vom beginnenden Spieler gedraftet). Der zweite Spieler draftet nun einen der vier Stapel. Dann wird wieder jeder der Stapel um eine Karte ergänzt und der erste Spieler draftet einen Stapel. Das Ganze wird nun so lange wiederholt, bis alle Karten "verdraftet" sind. Dann geht es zum Deckbau, für den die normalen Regeln wie bei jedem anderen Draft auch gelten (mindestens 40 Karten, kein 4-of-Limit, etc.).

Wie lange dauert das Ganze?
Das hängt natürlich davon ab, wie gut die beiden Spieler die Karten kennen und ob eher Aggro- oder Kontrolldecks entstehen, aber durchschnittlich sind wohl 90 Minuten eine gute Hausnummer, um ohne Stress Draft, Deckbau und Spiele abzuwickeln.

Was muss ich beachten?
Am Ende haben beide Spieler nicht genau gleich viele Karten gedraftet. Es ist also wichtig, manchmal einen Stapel mit mehr Karten als einen mit der im Vakuum stärksten Karte zu nehmen, damit man am Ende nicht nur Füllmaterial spielen muss, weil man zu wenige Karten hat. Bomben und Topremoval haben natürlich trotzdem Vorrang, aber die besten Bomben bringen nix, wenn der Rest des Decks absoluter Müll ist.
Beide Spieler wissen, welche Karten der andere schon hat. Das führt zu einigen interessanten strategischen Entscheidungen, z.B. wenn man lieber einen für das eigene Deck etwas schlechteren Stapel nimmt, weil dort eine Karte drin ist, mit der man kaum fertig werden würde, wenn sie der Gegner hätte. Reines Hatedraften führt natürlich auch nicht zu einem guten Deck, aber man kann durchaus Stapel nehmen, in denen Karten drin sind, die für beide Decks gut wären... Auch Karten, die in einem normalen Draft erst mal im Sideboard bleiben würden, kann man problemlos nehmen, wenn sie gegen das gegnerische Deck nützlich sind.
Es ist in der Regel schnell klar, wer von den beiden Spielern welche Farben spielt, so dass man sich einigermaßen sicher sein kann, dass der Gegner einen bestimmten Stapel erst einmal nicht nehmen wird - außer es wird nach dem eigenen Zug ein total krasser Spoiler auf ihn gelegt - das ist dann halt Pech...^^

Ein Beispiel
Vor ein paar Wochen flatterten bei mir sechs bestellte New-Phyrexia-Booster ins Haus, die ich mit einem Freund verdraftete. New Phyrexia eignet sich ganz hervorragend für einen Winchesterdraft, da zum einen viele farblose Artefakte enthalten sind und zum anderen phyrexianisches Mana, das einen Sprüche jeder Farbe wirken lässt.
Wir mischten also jeder je drei Booster zusammen, entfernten jeweils 3 Standardländer und 3 Tokenkarten, warfen eine Münze (mein Gegner durfte beginnen) und deckten die ersten vier Karten auf. Es zeigten sich neben zwei eher schwachen Karten zwei absolute Bomben: Schrein der lodernden Wut (Shrine of Burning Rage) und Schrein der loyalen Legionen (Shrine of Loyal Legions). Mein Gegner entschied sich für den Myrproduzenten und wir ergänzten jeden der vier Stapel um eine weitere Karte. Da keine von diesen besonders herausstach, nahm ich den Stapel mit dem Schrein der lodernden Wut (Shrine of Burning Rage). Lustigerweise draftete ich danach jede Menge blaue und weiße Karten, während mein Gegner dank einem Wutentzieher (Rage Extractor) ziemlich fest in rot landete. (Die Schreine spielten wir natürlich trotzdem - die sind im Limited auch ohne die richtige Farbe ziemlich gut...)
Wenig später wurde ein weiterer Wutentzieher (Rage Extractor) aufgedeckt, so dass er geradewegs auf ein fieses Kombodeck zusteuerte, dass mich einfach hilflos ausbrennen würde (vor allem, da ich kaum Artefaktremoval fand). Ich hielt also dagegen und nahm ihm, immer wenn es ging, gute Karten mit phyrexianischem Mana weg, damit sein Deck nicht absolut übermächtig wurde. Er fand schließlich noch ein paar gute schwarze Karten (Versklaven (Enslave)!), so dass er sich auf rot-schwarz festlegte, was auch sinnvoll war, da die einzige wirklich gute grüne Karte ohne phyrexianische Manakosten ein Triumph der Horden (Triumph of the Hordes) war. Nach 84 Karten ging es an den Deckbau und es entstanden die zwei folgenden Decks:

Mein Deck: UW-Aggro
9 Insel (Island)
8 Ebene (Plains)
1 Gruft-Skirg (Vault Skirge)
2 Verfaulter Agent (Blighted Agent)
1 Zaubermissachter (Spellskite)
1 Stachel-Thopter (Spined Thopter)
1 Eindringender Seelenfresser (Trespassing Souleater)
1 Blendender Seelenfresser (Blinding Souleater)
2 Aufspieß-Würger (Impaler Shrike)
1 Schmelzstahl-Drache (Moltensteel Dragon)
2 Kernbohrer (Pith Driller)
1 Überwacher der Spitzen (Spire Monitor)
2 Kreischender Raptor (Shriek Raptor)
2 Mutagenes Wachstum (Mutagenic Growth)
1 Scherben aus Mark (Marrow Shards)
1 Behindernde Schwaden (Vapor Snag)
1 Schrein der lodernden Wut (Shrine of Burning Rage)
1 Erzwungene Anbetung (Forced Worship)
1 Gedenke der Gefallenen (Remember the Fallen)
1 Ritual des Ausschließens (Exclusion Ritual)

Der Feind: RB-Extractor-Kombo
7 Sumpf (Swamp)
7 Gebirge (Mountain)
2 Wald (Forest)
1 Insel (Island)
1 Schmelzenstrolcher (Furnace Scamp)
1 Gruft-Skirg (Vault Skirge)
1 Schwebemyr (Hovermyr)
1 Eindringender Seelenfresser (Trespassing Souleater)
1 Unersättlicher Seelenfresser (Insatiable Souleater)
1 Aufschlitzender Panther (Slash Panther)
1 Verseuchender Seelenfresser (Pestilent Souleater)
1 Parasitärer Eindringling (Invader Parasite)
1 Phyrexianischer Moloch (Phyrexian Hulk)
1 Flammengeborenes Viron (Flameborn Viron)
1 Giftiger Nim (Toxic Nim)
1 Gremlin-Mine (Gremlin Mine)
2 Schrein der loyalen Legionen (Shrine of Loyal Legions)
1 Mycosynth-Urquell (Mycosynth Wellspring)
1 Grimmige Heimsuchung (Grim Affliction)
1 Spannungsladung (Volt Charge)
1 Gebärhalterung (Birthing Pod)
1 Aggressionsakt (Act of Aggression)
1 Parasitisches Implantat (Parasitic Implant)
2 Wutentzieher (Rage Extractor)
1 Versklaven (Enslave)

Wie man sieht, setzte ich auf eine stabilere, zweifarbige Manabasis und nahm damit in Kauf, oft mit meinen Lebenspunkten bezahlen zu müssen, während mein Gegner das phyrexianische Mana mit entsprechenden Standardländern unterstützte, was aber dazu führte, dass ihm hin und wieder das Mana für seine Hauptfarben fehlte (z.B. fand er in einem Spiel mehrere Runden lang kein zweites Gebirge (Mountain) für seinen parasitären Eindringling, um meine einzige Ebene (Plains) zu zerstören).

Die Spiele selbst waren alle knapp und spannend, wer das entscheidende dritte Spiel gewann, kann ich gar nicht mehr sagen, aber wen interessiert auch das Gewinnen, auf den Spass kommt es an. Und den hatten wir tonnenweise - sowohl während des Draftens als auch während der Partien.

Ich kann Winchester-Draft jedem nur wärmstens ans Herz legen, vor allem Leuten, die nur wenige limitedbegeisterte Mitspieler in ihrem Freundeskreis haben - viel mehr Spass kann man zu zweit nicht haben!

Bis zum nächsten Mal,
Jashin






Addendum:

In Anlehnung an dieses legendäre Video präsentieren ich an dieser Stelle meine Top 6 Bären:

6. Bärenjunges (Bear Cub): Grizzlybären (Grizzly Bears) sind DIE Magickreatur schlechthin. Und Bärenjunges (Bear Cub) ist eben das süßeste von allen...^^

5. Aschenpelzbär (Ashcoat Bear): Besser als ein Grizzlybär ist ein Grizzlybär, der dich überraschend tötet...

4. Traumbär (Phantasmal Bear): Wenn Bären plötzlich nur noch die Hälfte kosten, wird einem mal wieder bewusst, wie krass der Powercreep voranschreitet...

3. Ulvenwald-Bär (Ulvenwald Bear): Was man immer wieder leicht übersieht: Die Marken müssen nicht auf diesem Bär landen, sie können auch auf einem anderen Bär landen. (Nur bitte nicht auf dem Traumbär (Phantasmal Bear)...)

2. Werbär (Werebear): Nur zur Hälfte ein Bär, aber dafür ein richtig guter. Am Anfang Manaproduzent und später ein richtig guter Schläger!

1. Vertrauter des Druiden (Druid's Familiar): Zwar der teuerste Bär dieser Liste, dafür aber auch der konstant stärkste!



5 Kommentare

#1Hannsi   Online-Magic Skype kommentiert:  27.05.2012 - 00:56 Uhr

Hey Jashin.
Sieht ziemlich lustig aus diese Draftmethode. Muss ich unbedingt mal testen.
Das Deck deines Freundes gefällt mir übrigens ziemlich gut. (Also für die Verhältnisse in denen es entstanden ist)
Hat mich mal wieder bestärkt in der Idee ein Extractor-Combo-Deck zu basteln.
Hatte ich eh vor.

#2MoritzD    kommentiert:  27.05.2012 - 20:31 Uhr

Ich mag Winchester Draft nicht so. Viel zu oft nimmt man einfach den grössten Stapel, egal was drauf ist. Winston oder Cascade Draft finde ich irgendwie besser.

#3Jashin   ICQ kommentiert:  28.05.2012 - 11:25 Uhr

@MoritzD: Also ich fand, dass wir gerade eher selten den größten Stapel genommen haben und das die Strategie und den Gegner zu behindern wesentlich wichtiger war, als den größten Stapel zu nehmen - hängt aber vielleicht auch von der Edition ab: Wenn es nur wenige flexible Karten gibt, nimmt man wahrscheinlich eher den größeren Stapel, weil da einfach mehr Spielbares drin ist...

#4MoritzD    kommentiert:  30.05.2012 - 21:40 Uhr

Ja, das mag daran liegen, dass ich vor allem Cubedrafte, wo die Kartenqualität sehr flach verteilt ist, wo eigentlich jede Karte grundsätzlich spielbar ist.

#5Maskulin    kommentiert:  03.06.2012 - 17:50 Uhr

Sehr gute decks für einen draft !! {+}
Kann sich sehen lassen, aber das deck deinens Freundes is ein bisschen besser ;-)


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